Als Kind der Fünfziger Jahre wurde ich in Duisburg geboren und verbrachte nach dem allzu frühen Tod meines Vaters die ersten sieben Jahre meines Lebens in der Obhut meiner Mutter und Großeltern.
Die zweite Ehe meiner Mutter führte uns für die kommenden Jahre nach Brasilien, und nach ungefähr sechs Monaten träumte ich bereits in Portugiesisch, während meine Muttersprache in den Hintergrund trat. In dieser Zeit begann ich aus einem inneren Drang heraus zu schreiben Märchen in ungelenker Kinderschrift - und sie mussten natürlich immer gut ausgehen.
Die Rückkehr nach Deutschland war wie die Reise in ein ehemals vertrautes, inzwischen aber fremdes Land: Sprache, Essen und Klima waren mir fremd geworden, und meine Schulkameraden neckten mich darüber hinaus wegen meines weichen, fremdländischen Akzentes. Es war eine harte Zeit, in der ich meine Muttersprache noch einmal neu in Wort und vor allen Dingen Schrift, erlernen musste. Ich begann meine Geschichten nun abwechselnd in Portugiesisch und Deutsch zu schreiben, was sich jedoch bald zugunsten des Deutschen verschob.
Anfängliche Probleme in der Schule lösten sich, je besser ich dem Unterricht folgen konnte, trotzdem nahm mein Stiefvater mich mit 14 Jahren aus der Schule, weil ich „eine Ausbildung machen und Geld verdienen sollte“. Der Aufnahmetest beim Chemie-Konzern Bayer scheiterte Gott sei Dank, und ich verließ die Prüfung mit dem Tipp, weiter zur Schule zu gehen. Ich kämpfte zu Hause darum, den zweiten Bildungsweg einschlagen zu dürfen, schließlich mit Erfolg.
Nach der sogenannten Mittleren Reife erlernte ich dann doch zuerst einen bodenständigen, naturwissenschaftlich geprägten Brotberuf, bis ich mich nach weiteren fünf Jahren noch einmal auf die Schulbank setzte, um das Abitur nachzuholen. Danach zog ich nach Bonn, um Sprachen zu studieren.
Nachdem 1984 und 1988 meine beiden Söhne geboren worden waren, bekam ich nach Familienjahren die Chance, freiberuflich als Übersetzerin für Portugiesisch zu arbeiten. Nach einiger Zeit verschoben sich die Übersetzungsarbeiten zugunsten einer eignen Textgestaltung, und ich arbeitete fortan als Redakteurin und Mitautorin im Sachbuch- und im belletristischen Bereich.